MWG10: Technologie zwischen Innovation und Abhängigkeit – wie Europa digitale Souveränität zurückgewinnen kann

Beim Panel „Wirtschaft.Macht.Technologien.“ diskutierten Margarete Schramböck, Bianca PfallerTudor Andronic und Alexander Windbichler über die Chancen und Risiken neuer Technologien. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Europa technologische Innovation besser nutzen kann, ohne dabei in neue Abhängigkeiten zu geraten.

v.l.n.r.: Margarete Schramböck, Bianca Pfaller, Tudor Andronic, Alexander Windbichler
v.l.n.r.: Margarete Schramböck, Bianca Pfaller, Tudor Andronic, Alexander Windbichler

Europa zwischen Innovationskraft und Regulierungsfalle

Ein zentraler Befund des Panels: Europa verfügt über starke Köpfe, gute Ausbildung und hohe technologische Kompetenz, bleibt aber in der praktischen Umsetzung oft hinter anderen Weltregionen zurück. Während die USA, China oder auch Saudi-Arabien massiv in künstliche Intelligenz, Datenzentren und digitale Infrastrukturen investieren, verliert sich Europa vielfach in Fragmentierung und Regulierung.

Margarete Schramböck verwies darauf, dass andere Regionen Technologie längst als strategischen Machtfaktor begreifen. Gerade beim Thema KI werde deutlich, dass Europa zwar reguliert, aber zu wenig skaliert. Der oft beschworene Binnenmarkt sei in vielen digitalen Bereichen noch immer nicht Realität.

Auch Bianca Pfaller schilderte aus Sicht der Telekombranche, wie stark Investitionen durch langwierige Genehmigungsverfahren, regulatorische Unsicherheit und nationale Zersplitterung gebremst werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Netze, Datenvolumen und Infrastruktur permanent.

Digitale Souveränität wird zur Schlüsselfrage

Ein weiterer Schwerpunkt war die wachsende Abhängigkeit Europas von wenigen globalen Technologieanbietern. Gerade bei Cloud, Plattformen und Software sei die Machtkonzentration enorm. Alexander Windbichler warnte davor, dass Europa bei zentralen digitalen Infrastrukturen zunehmend von US-Konzernen abhängig werde, ohne selbst ausreichend gegenzusteuern.

Im Panel wurde daher mehrfach betont, dass digitale Souveränität nicht mit Abschottung zu verwechseln ist. Es gehe nicht um Autarkie, sondern um die Fähigkeit, eigene Handlungsspielräume zu sichern. Dazu brauche es gezielte europäische Industriepolitik, faire Wettbewerbsbedingungen und stärkere heimische Ökosysteme.

Auch eine Digitalabgabe für große Technologiekonzerne wurde diskutiert. Der Grundgedanke: Europäische Unternehmen investieren Milliarden in Netze und Infrastruktur, während internationale Plattformen diese nutzen und einen Großteil der Wertschöpfung abschöpfen.

KI verändert Arbeit schneller als viele erwarten

Besonders eindringlich fiel die Diskussion zur künstlichen Intelligenz aus. Die Panelteilnehmer waren sich weitgehend einig, dass KI weit mehr als nur einzelne Prozesse verändern wird. Sie wird Arbeitsweisen, Geschäftsmodelle und Qualifikationsprofile in nahezu allen Branchen grundlegend verschieben.

Dabei ging es nicht nur um den Wegfall einzelner Tätigkeiten, sondern auch um die Frage, wie Menschen künftig ausgebildet und weiterentwickelt werden. Wenn einfache Einstiegsaufgaben zunehmend automatisiert werden, verändern sich auch klassische Lern- und Karrierewege in Unternehmen. Das betrifft besonders junge Menschen und Berufseinsteiger.

Tudor Andronic formulierte es zugespitzt: Nicht KI werde den Menschen ersetzen, sondern Menschen mit KI würden Menschen ohne KI ersetzen.

Cybersecurity und Resilienz neu denken

Ein weiterer wichtiger Punkt war die strategische Resilienz im digitalen Raum. Besonders mit Blick auf Israel wurde deutlich, dass Cybersecurity dort nicht als Ausnahmefall, sondern als Daueraufgabe verstanden wird. Angriffe werden nicht als theoretisches Risiko betrachtet, sondern als etwas, auf das man sich permanent vorbereitet.

Gerade Europa könne hier lernen, Sicherheit nicht bloß technisch, sondern kulturell mitzudenken – mit Übungen, klaren Standards, Audits und einem stärkeren Bewusstsein für digitale Verwundbarkeit.

Weniger jammern, mehr gestalten

Das Panel machte deutlich: Europa hat nach wie vor das Potenzial, technologisch eine stärkere Rolle zu spielen. Dafür braucht es aber mehr Mut zur Umsetzung, mehr Geschwindigkeit und ein stärkeres Bewusstsein für digitale Souveränität.

Künstliche Intelligenz, Infrastruktur und Cybersicherheit sind längst keine Nischenthemen mehr. Sie entscheiden zunehmend darüber, wie widerstandsfähig, wettbewerbsfähig und handlungsfähig Europa in Zukunft sein wird.